Multitasking – Im Blindflug durch den Tag

Seit ein paar Tagen bemühe ich mich, mein smartphone Nutzungsverhalten zu beobachten. Daniel gab mir den Hinweis, dass es dafür auch entsprechende apps gibt. Für das iphone offenbar kaum. Ich habe nur die app „Moment“ gefunden. Sie zeichnet die Minuten und Stunden auf, die ich pro Tag den Bildschirm anhabe, also mein iphone aktiv benutze. Musik und Podcast fallen hier z.B. nicht ins Gewicht. Leider aber youtube, das ich zur Zeit abends gerne zum Hören von z.B. Vorträgen benutze und darüber regelmäßig einschlafe. Das verfälscht dann die Aufzeichnung meines Nutzungsverhaltens ordentlich. Dazu misst die app noch wie häufig ich am Tag mal eben was am smartphone gemacht habe, genannt pickups.

Es zeigt sich jetzt schon, dass ich mein Nutzungsverhalte ändere, obwohl ich mich ja derzeit noch ganz bewusst in einer Multitasking-Beobachtungs-Phase befinde. Ich überlege mir seit zwei Tagen sehr viel bewusster, ob ich jetzt wirklich einen Blick auf mein smartphone brauche.

Wie fühlt sich Monotasking an?

Monotasking im Gegensatz zum Multitasking fühlt sich sehr gut an. Sich auf eine Sache alleine zu konzentrieren entspannt mich derzeit unglaublich. Ich bin seltener innerlich gereizt, habe weniger das Gefühl unbedingt noch etwas erledigen zu müssen, kann die einzelnen Dinge besser genießen. Vor diesem Experiment lief bei mir häufig ein Podcast oder ein Hörspiel so nebenbei, während ich die Wohnung aufräumte. Ich will nicht ausschließen, dass ich das auch weiterhin gelegentlich tue, aber wird mir jetzt schon bewusst, dass ich mehr von beiden Tätigkeiten habe, wenn ich sie getrennt erledige. Das Gefühl dabei etwas im Leben zu verpassen wird mit der Zeit vielleicht noch schwächer.

Seitdem ich mich beim Multitasking beobachte, sehe ich überall nur noch Multitasker. Die Verkäuferin kassiert eine Kundin ab und telefoniert gleichzeitig mit einer Kollegin. Ein Mann steht mit Kopfhörern an einer Hausecke, tippt in sein smartphone und raucht gleichzeitig noch eine Zigarette. Mindestens brauner Gürtel im Multitasking. Beim Blick in die Autos wird mir seit zwei Tagen manchmal etwas mulmig. Ich sehe essende Autofahrer, ich sehe natürlich telefonierende Autofahrer mit und ohne Freisprecheinrichtung, ich sehe sich schminkende Autofahrerrinnen und unentwegt laufende Motoren vor geschlossenen Bahnschranken. Und bei alldem denke ich, dass ich selbst nicht mehr so ein Typ sein will, der alles mögliche im Blindflug auf der Straße machen nebenbei erledigen will.

Marco Mattheis, 1.Oktober 2015

Advertisements

5 Gedanken zu „Multitasking – Im Blindflug durch den Tag

  1. Interessantes Projekt! Bei deinem vorigen Beitrag dachte ich: „Hmm..Multitasking mache ich sowieso nicht.“ Dank deiner Beispiele ist mir aber bewusst geworden, dass das nicht stimmt. Das Multitasking ist wohl so selbstverständlich für mich geworden, dass ich es kaum noch registriere. Podcasts höre ich eigentlich nie einfach nur so, sondern immer nur, während ich etwas anderes tue. Entsprechend wenig kann ich mich auch an die Inhalte erinnern. Es ist oft einfach nur ein Hintergrundgebrabbel. Während ich am Laptop arbeite, läuft oft in einem anderen Tab ein Youtube-Video, das ich nur höre und mir nichtmal anschaue. Das obligatorische Video beim Essen… Ich werde versuchen da in Zukunft mal bewusster drauf zu achten. Danke für die Inspiration!

    Gefällt mir

  2. Podcasts, Vorträge und Hörbücher liebe ich auch sehr, aber nebenbei aufräumen geht dabei nicht. Die höre ich am liebsten mit geschlossenen Augen auf dem Sofa oder Bett liegend, und ziemlich bald muss ich sie unterbrechen um mir entweder eine Anregung oder meine Gedanken dazu zu notieren oder gleich etwas in die Tat umzusetzen, was da vorgeschlagen wird. Aber ich konnte noch nie Musik zu den Hausaufgaben hören oder manchmal kann ich nicht mal neben jemand anderem sitzen, der still ist, und dabei am Computer arbeiten, das lenkt mich schon ab. Ich bin absolut kein Multitasker – obwohl ja immer gesagt wird, Frauen könnten sowas besser als Männer. Es stresst mich. Und ich hab so schon zu oft das Gefühl, mein Leben gar nicht richtig wahrzunehmen.

    Also: Lasst euch nicht hetzen. Auch wenn vermeintlich alle um euch rum das tun. Es ist besser für eure Gesundheit und den Seelenfrieden.

    Gefällt mir

    1. PS: Passend dazu begegnet mir in den letzten Tagen immer häufiger so ein Satz wie: Nur einer auf einmal, also z. B. im Zusammenhang mit dem Beziehungen mit Interessenten aufbauen, wenn du (Online-) Unternehmer bist. Nur mit einem Menschen zur Zeit. Nur das gibt eine gute Beziehung. Daran arbeite ich selbst, das übe ich auch noch 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s